Fliegenbinden - Inspiration statt Instruktion

Aus der PETRI NEWS 175-2013


Markus Angst 


Fliegenbinden - Inspiration statt Instruktion

«Dazu gab es Tricks und Tipps, die viele Aha's auslösten...»

In einer früheren Kolumne habe ich schon erwähnt, dass ich Teil eines losen Grüppchens bin, das sich „Interessengemeinschaft Fliegenfischen“ nennt. Wie der Titel sagt, sind wir Fliegenfischer, die sich dann und wann zum gemeinsamen Fischen und anderen damit verbundenen Aktivitäten treffen.
 

Mittlerweile fester Bestandteil unseres Programms (und damit eine „Tradition“) sind unsere zwei Bindeabende, die jeweils im Dezember stattfinden. An diesen geselligen Abenden, ein nettes Plättchen und eine gute Flasche Wein gehören auch immer dazu, treffen wir uns dann zum gemeinsamen Fliegenbinden und zum Austausch von Erfolgsmeldungen der jüngeren Vergangenheit. Dazu engagieren wir jeweils einen erfahrenen Binder, der mit uns gemeinsam einige (neue) Muster bindet. Man lernt, bindet und findet neue Inputs für die Fliegendose. Eine wahrlich gute Sache!
 

Vorletztes Jahr dann wieder dieselbe Ausgangslage: Die Truppe stand mit Bindematerial und Bindestöcken in freudvoller Erwartung bereit, um zu sehen, zu hören und zu binden. Doch es kam alles anders. Keiner von uns hat an diesem Abend eine Fliege gebunden, dafür haben wir um so mehr gesehen und gehört.
 

Mit Pat del Fatti hatten wir zum ersten Mal einen Wettbewerbsbinder als „Coach“ engagiert. Pat ist kein Profi-Binder und ist beruflich in ganz einem andern Hafen zu Hause. Er hatte sich bestens vorbereitet und startete mit einer relativ simplen „Gebrauchsfliege“. Nur wie er das tat! Perfekt (…und ich meine perfekt!) in der technischen Ausführung, begleitet von spannenden Inhalten rund um die Fliege fesselte er uns. Es gab nichts, was er zur Geschichte dieser Fliege zum Material nicht wusste. Dazu gab’s Tricks und Tipps, zu den angewendeten Binde-Techniken, die viele „Aha’s“ auslösten. Schnell wurde umdisponiert und man war sich einig, nur zusehen und zuhören zu wollen.

 

Auch letzten Winter konnten wir Pat wieder dafür gewinnen, uns etwas vorzubinden – alle IG-ler waren sich einig, dass wir diese Leidenschaft, diese Liebe fürs Detail und diesen Fundus an Wissen nochmals so geniessen wollten. Kein Bindekurs im klassischen Sinne, ganz klar! Stattdessen zwei mal drei Stunden Vermittlung von Begeisterung und Inspiration. Pat bindet privat zur Entspannung jeden Abend eine, zwei Fliegen. Er verzichtet dafür darauf, einen Fernseher zu besitzen. Chapeau!

Ich werde es in meiner Bindekarriere wohl nie so weit bringen; werde es ehrlich gesagt nicht einmal versuchen. Ich bin auch der Überzeugung, dass meine (mal mehr, mal weniger hässlichen) Fliegen nicht schlechter fangen. Doch darum geht es mir gar nicht: Die Passion, eine Kunst derart zu beherrschen, das angehäufte Wissen darum herum, die historischen Aspekte faszinieren mich schlichtweg und haben meine uneingeschränkte Bewunderung.

 

Antoine de Saint-Exupery sagte einst „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Das Zitat ist natürlich nur bedingt praxistauglich – ganz ohne Instruktion wird’s wohl mit dem Schiff nichts werden. Aber eben: Dann und wann eine rechte Dosis Inspiration sollten wir uns immer wieder mal gönnen!

 
Ihr Markus Angst