Die Sache mit dem grünen Strom - ein Fallbeispiel
Aus der PETRI NEWS 179-2013

 Markus Angst

Die Sache mit dem grünen Strom - ein Fallbeispiel

«Der Strom aus meiner Steckdose ist de Facto blutrot!»

Ich wohne im Zürcher Oberland in der schönen Gemeinde Wald, umgeben von den höchsten „Bergen“ des Kantons und damit auch inmitten vieler schönen Bäche und Flüsschen. Unter anderem fliessen auch die Töss und die Jona durch unser Gemeindegebiet.
 

Seit Beginn dieser Saison habe ich das Privileg an der Jona im Grundtal zwischen Wald und Rüti zu fischen. Ein schöner und spannender Abschnitt, dazu praktischerweise direkt an meinem Arbeitsweg gelegen. Auch der Fischbestand wäre eigentlich ausgezeichnet. Dank guten natürlichen Bedingungen und einer engagierten Pachtgesellschaft sind die wesentlichen Voraussetzungen dazu gegeben.
 

Weshalb dann also das „Wäre“? Nun ja, es gibt da noch dieses Klein-Kraftwerk in unserem Abschnitt, dessen Strom das EW Wald kauft und uns Einwohnern grün gebrandet und mit einem entsprechenden Preisschild versehen ins Netz gibt. Stolz meint das EW auf seiner Homepage: „Wir wollen mit diesen zukunftsorientierten Stromprodukten unterstreichen, wie wichtig es uns ist, dass ökologische Aspekte in der Stromgewinnung nicht nur ein Lippenbekenntnis bleiben, sondern dass etwas getan werden kann und getan wird – bereits heute“.

Zurück aber nun zum Kraftwerk. Das Staubecken oberhalb füllt sich regelmässig mit Sedimenten. Diese sind verunreinigt – eigentlich eine zähe, schwarze, stinkende Brühe. Auf jeden Fall ein Stoff von dem der Gesetzgeber sagt, er müsse in einer speziellen Deponie entsorgt werden. Ich stelle mir das gesetzeskonforme ausbaggern und Entsorgen deshalb sehr kostspielig vor.
 

Nun wurde die Schleuse dieses Kraftwerks in jüngerer Zeit schon fünf Mal gesetzeswidrig geöffnet, die letzten Male im April 2011, im April 2013 und im Juni 2013. Die letzte Öffnung erfolgte gerade Mal 2 Wochen vor Ablauf der Frist, die das AWEL dem Betreiber zur Einreichung eines Konzeptes zur Entsorgung des Schlamms und zur Vermeidung weiterer Zwischenfälle gesetzt hat. Ich will hier dem Betreiber keinerlei Absicht unterstellen – die zuständigen Instanzen haben bisher immer anerkannt, dass die Ursache dieser Zwischenfälle in einer „technischen Störung“ liegt. Fakt ist allerdings, dass eine gesetzeskonforme Entsorgung sicherlich teurer gewesen wäre.

Ich möchte Ihnen nun noch schildern, was diese Zwischenfälle für die Jona und das Leben darin bedeuten: Wenn die Schleuse sich jeweils öffnete, hat eine riesige, schwarze Walze aus Wasser und besagtem schwarzen, zähen Schlamm mehr oder weniger sämtliches Leben unter sich begraben – subito, Ende!

Ein Bild, das Sie sich kaum vorstellen können und auch nicht wollen! Damit ist die Sache allerdings noch nicht erledigt: Mittlerweile ist die Gewässersohle derart zementiert, dass auch die stärkste Forelle keine Laichgrube mehr schlagen wird – heute nicht, morgen nicht, übermorgen nicht. Im (ehemals) tiefsten Becken unseres Reviers hat sich der Schlamm buchstäblich meterhoch abgesetzt. Bei einer Begehung Wochen nach dem letzten Unglück sank ich 70 cm tief ein und konnte mich nur noch mit der Hilfe eines Kameraden befreien. Helfen würde nur eine umfassende Ausbaggerung und eine Erneuerung der Gewässersohle über weite Teile. Offen bleibt allerdings, ob dies je geschehen wird und wer das bezahlen würde.
 

Nachhaltig ist somit nur die Zerstörung der Natur die hier betrieben wurde – den Strom der aus meiner Steckdose kommt ist de Facto blutrot. Drum merke: Manchmal ist der grüne Lack, mit dem etwas angepinselt wird sehr dünn und spröde!


Ihr Markus Angst