Er hatte klar die bessere Rute...
Aus der PETRI NEWS 180-2013

 Markus Angst

Er hatte klar die bessere Rute...

«Er strahlte und ich freute mich selbstredend erneut für ihn...»

Letzthin hatte ich mich mit meinem Freund Noldi Graf nach Feierabend zum Fischen verabredet. Petrus in seiner Funktion als Wettermacher spielte mit: Uns erwartete ein herrlicher, frühherbstlicher Abend. Am Treffpunkt angekommen, stellte Noldi fest, dass er seine Rute vergessen hatte. Als hilfsbereiter und grosszügiger Kamerad bot ich selbstverständlich Ersatz aus meinem Bestand an – insbesondere auch deshalb, weil ich knappe fünf Minuten vom Fischwasser wohne. Innert zehn Minuten holten wir also bei mir zu Hause eine zweite Rute und los ging’s.
Wir fischten vom Boot aus in der aufgestauten Jona und wollten ein paar (natürlich möglichst grosse) Forellen überlisten. Das Fischen mit dem Streamer war also angesagt. Ich fischte eine 8‘6“ er Rute der Schnurklasse 5. Noldi entschied sich für eine 7‘6“ der Schnurklasse 4; dies nicht aus einem Mangel an Alternativen heraus (mein Rutenpark umfasst mittlerweile ein ansehnliches Sortiment), sondern aufgrund der Tatsache dass dieses Exemplar bereits einsatzbereit in der Garage stand und wir uns somit die 2x96 Stufen in die Wohnung hinauf und wieder zurück zum Auto ersparten.
Auf den ersten Blick schien Noldi mit dem gewählten Rütchen fürs Streamerfischen doch eher etwas „unterversichert“ zu sein. Doch bald schon hakte er eine erste Forelle; ein ordentliches Exemplar zwar - aber keine wirklich Kapitale.
Als wahrer Sportsmann freute ich mich natürlich für ihn und wir fischten weiter und genossen den wunderbaren Septemberabend.

Bald darauf schon hatte Noldi seine zweite Fario am Streamer – er strahlte … und ich freute mich selbstredend erneut für ihn! Allerdings fand ich es doch langsam an der Zeit, dass auch ich mal die Freude einer gebogenen Rute geniessen durfte. Ich überlegte, wie ich meine Fangchancen erhöhen könnte: Streamer wechseln? Zusätzliches Gewicht für mehr Tiefe? Schneller… oder doch eher langsamer einstrippen?

Wie ich mit so wichtigen taktischen Fragen beschäftigt war, machte es „bumm“ und mein 4er Rütchen in Noldis Hand bog sich schlagartig und tief. Diesmal ein richtig guter Fisch jenseits der 50er Marke; eine makellose, gut genährte Schönheit. Ja natürlich freute ich mich für Noldi – keine Frage! Ist ja auch egal, wer den Fisch fängt, nicht? Und schliesslich waren wir ja hier, um den schönen Herbstabend zu geniessen!?
Nachdem mein lieber Freund schliesslich auch noch die vierte Fario gelandet hatte, wurde es langsam dunkler und wir ruderten zurück.

Mein Zähler stand derweil noch immer bei einer runden Null (die philosophische Frage der Gerechtigkeit soll an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden). Keine meiner taktischen Massnahmen hatte den Schneider abzuwenden vermögen. Doch was soll’s?! Hätten wir noch länger gefischt, wäre ich sicherlich auch noch zum Zug gekommen. Nicht, dass mich das etwas beschäftigt hätte, nein, aber meine sorgfältige, detaillierte, objektiv geführte Analyse aller wesentlichen Parameter zeigte eindeutig und klar: Noldi hatte ganz einfach die bessere Rute!
Mit herbstlichem Petri, Ihr Markus Angs

Ihr Markus Angst