Mit dem Taxi durch's Elsass
Aus der PETRI NEWS 181-2014

 Markus Angst


Mit dem Taxi durch's Elsass?

«Anstelle einer Fischtreppe soll hier ein Lachstaxi zum Einsatz kommen!>>

Vor nicht allzu langer Zeit war der Rhein der grösste Lachsfluss in Europa. Man schätzt, dass eine runde Million dieser prächtigen Fische den Rhein bevölkerten und für ihr Laichgeschäft bis in die Voralpen aufstiegen.
Mit der zunehmenden Industrialisierung Europas stieg auch der Strombedarf entsprechend an und so wurden entlang des Rhein und seiner Zuflüsse unzählige Kraftwerke gebaut. Damit verunmöglichte man dem Lachs seinen Laichzug und als direkte Folge davon starb der prächtige Salmo salar bei uns vor gut 50 Jahren aus. Seither sind im Basler Rhein ganze drei Lachse gesichtet worden, die den Aufstieg aufgrund einer Verkettung von ans Unmögliche grenzenden Zufällen geschafft haben.

Gegen Ende des letzten Jahrhunderts nahm schliesslich der Druck verschiedener Umweltorganisationen und der Fischer soweit zu, dass die Wiederansiedlung des Lachses im Rhein zu einem Thema wurde. Es wurden mit teilweise grossem Aufwand Fischtreppen gebaut und Flussabschnitte renaturiert. Frankreich, respektive die Électricité de France erwies sich allerdings als resistent gegenüber sämtlichen Bemühungen Dritter. Aktuell stehen dem Lachs noch acht Kraftwerke zwischen Strassburg und Basel im Weg und verhindern seinen Aufstieg erfolgreich.
Der 28.10.2013 scheint nun aber die Wende in diesem Trauerspiel gebracht zu haben: An der 15. Rheinministerkonferenz in Basel haben die betroffenen Staaten, Frankreich inklusive, eine wichtige Absichtserklärung unterschrieben: Bis 2020 soll der Lachs hindernisfrei vom Rheindelta bis nach Basel wandern können. Damit wird nun auch die Électricité de France in die (teure) Pflicht genommen.

Das erste Hindernis stellen die Schleusen des Haringvlietdammes dar. Sie versperren dem Lachs den Zugang zum Rhein. Diesem Misstand will man mit einer relativ einfachen Lösung begegnen – man öffnet die Schleusentore zeitweise, womit der Lachs passieren kann. Der Lachs gelangt nun bis nach Strassburg, dessen Kraftwerk die nächste Hürde darstellt. Ab 2015 soll eine Fischtreppe Abhilfe schaffen. Die Fischtreppe besteht aus vielen aneinandergereihten, ansteigenden Betonbecken, deren Kosten auf mehrere Millionen Franken geschätzt werden.

Rund 26 Kilometer weiter den Rhein hinauf wartet mit dem Laufwasserkraftwerk Gerstheim das nächste Hindernis: Wehr und Schiffsschleuse sollen auch hier mit einer Fischtreppe umgangen werden. Der Baubeginn ist auf 2015 angesetzt. Damit ist das Problem aber noch immer nicht vollständig gelöst. In Rhinau stellt sich dem Lachs bereits das nächste Kraftwerk entgegen. Und hier nun kommt die französische Delegation an der Rheinministerkonferenz mit einer wirklich innovativen Lösung: Anstelle einer Fischtreppe soll hier ein Lachstaxi (sie haben richtig gelesen!) zum Einsatz kommen!
Kurz vor Rhinau sollen Fische mit Hilfe künstlicher Strömung in eine Reuse geleitet werden. Diese – so der Plan – würde dann von einem Schiff geschätzte 45-50km rheinaufwärts transportiert. Damit passierten die Lachse die Kraftwerke Marckolsheim und Breisach (D). Ich bin mir ehrlich gesagt noch nicht ganz im Klaren darüber, was ich von der Idee halten soll. Nachhaltig ist das auf jeden Fall nicht und sicherlich auch ein Stress für die eh‘ schon „auf Reserve“ laufenden Tiere. Ob das Fischtaxi wenigstens als Übergangslösung etwas taugt, wird sich zeigen.
Das Kraftwerk Vogelgrun – als letzte Barriere vor Basel – soll übrigens im Altrhein umschwommen werden.

Mit verhalten optimistischen Grüssen, Ihr Markus Angst

PS Für alle, die noch mehr zum Thema wissen möchten, empfehle ich folgendes Buch: Der Lachs – Ein Fisch kehrt zurück, ISBN 978-3-258-07615-7, Haupt-Verlag, Bern, 264 Seiten.

Ihr Markus Angst