Saisonvorbereitung einmal anders:
Aus der PETRI NEWS 183-2014

Markus Angst

Saisonvorbereitung einmal anders:

«Nähzeug und ein Selbstverteidigungskurs»

Jetzt wo ich meine Kolumne schreibe (die 25. übrigens) dauert es noch zwei Wochen bis zum Saisonstart. Spannung und Vorfreude nehmen täglich zu. Es ist also allerhöchste Zeit für die letzten Vorbereitungen!
Ich möchte dieses Mal darauf verzichten, Ihnen das Schmieren der Rolle, das Reinigen der Fliegenschnur, das Abdichten der Wathosen und Ähnliches ans Herz zu legen. Stattdessen will ich mich einem wirklich lebenswichtigen Thema widmen.

Ende Januar las ich einen Zeitungsartikel mit dem vielversprechenden Titel „Mann näht Wunde selbst zu – dann trinkt er ein Bier“. Obwohl dies der Titel nicht zwingend vermuten lässt, handelt es sich um eine Fischergeschichte, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: Ein angehender neuseeländischer Arzt geht gut gelaunt und hoffnungsvoll zum Fischen. Er ist mit seinem Boot auf dem Meer unterwegs und denkt nichts Böses, als der Petrijünger auf heimtückische Art und Weise von einem Hai angegriffen wird, der ihn ungefragt und offenbar ohne jegliche Vorwarnung ins Bein beisst.
Der Mann bleibt cool – es müsste ja kein Fischer sein – beschimpft den Flossenträger zunächst nach allen Regeln der Kunst aufs Übelste. Als das nichts nützt und ihm die Geduld ausgeht, zückt er sein Messer und stellt sich dem Angreifer. Chuck Winkelried, James 007 Schwarzenegger, Hulk Stallone oder wie auch immer der mutige Jüngling hiess, führt eine feine Klinge und ist erfolgreich. Der Hai auf jeden Fall lässt von ihm ab, schwimmt um sein Leben und verliert sich in den unendlichen Weiten von Neptuns Reich.

Der abgebrühte Petri-Jünger bewegt sich sodann fix zurück zum Strand, kramt Nadel und Faden hervor (aus einem Notfallset, das eigentlich für seine Hunde gedacht wäre) und näht sich die Wunde zu.
Doch die Geschichte geht noch weiter: Offenbar hat ihn das ganze Theater durstig gemacht – auf jeden Fall marschiert er schnurstracks ins nächste Pub und ordert sich ein kühles Bier. Dort stellt er fest, dass gerade ein Fischerwettbewerb ausgeschrieben ist, worauf er meint, dass der den Hai vielleicht doch hätte töten sollen, was ihm sicher reelle Chancen auf den Sieg eröffnet hätte.

Was lernen wir nun aus der Geschichte? Erstens – und das ist das wichtigste – dass wir Fischer eben noch richtige Kerle und Kerlinnen sind! Hier macht uns keiner so leicht was vor oder haben Sie schon mal von einem Golfer gehört, der einen Hai mit einem Eisen 7 in die Flucht geschlagen hat?
Zweitens, scheint es durchaus angebracht zu sein, immer Nähzeug dabei zu haben (gibt’s in den besseren Hotels zum mitnehmen) und drittens gehört ein Selbstverteidigungskurs eigentlich ins Repertoire eines jeden ambitionierten Anglers!
Wir alle jagen und fangen ja dann und wann auch richtig grosse, ja gar sehr grosse Fische. Und was nun, wenn eine Kapitale Forelle, ein furchterregender Hecht oder gar ein dreimetriger Wels uns den Krieg erklärt? Wir sollten auf jeden Fall für alle Eventualitäten gerüstet sein!

Mit den besten Wünschen zum Saisonstart,
Ihr Markus Angst