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Aus der PETRI NEWS 218-2019

Von Thomas Bucher

Ein bisschen Spass muss sein..


…dann ist die Welt voll Sonnenschein…
Sommerferien 1986, Roberto Blanco und Co. über-boten sich gegenseitig mit Heile Welt Liedern und glücksgeschwängerten Liebesbekundungen. Damals war kein iPod oder Smartphone, noch nicht mal ein Walkman im Besitz eines 9-jährigen. Somit mussten meine Schwester und ich die ganze Dröhnung Schlager auf der zwanzigstündigen Fahrt zu unserem Feriendomizil aushalten. Vorne wurde übrigens ungeniert gepafft und angegurtet waren wir auch nicht, was war das für eine verrückte Welt…
Wer hätte gedacht, dass ich über dreissig Jahre später wieder im selben Peugeot 604 (aussen Beige, innen Braun; einfach wunderschön) sitze; wieder nicht angegurtet aber diesmal selber paffend. In Kuba ist das möglich. Wir wollen ins Casa de la Musica, ein bekanntes Live-Musik und Tanzlokal. « Casa de la Musica? No hay problema, diez CUC » meint der Fahrer. Es war wirklich kein Problem und der Preis stimmte auch. Nur eine Kleinigkeit hat er uns verschwiegen; das Lokal ist seit über einem Jahr wegen Umbau geschlossen! Unser Fehler, wir haben ja nicht gefragt, ob es offen ist… Aber wir haben wie zwei erwachsene Männer reagiert und haben uns in der nächsten Bar ein paar Mojitos hinter die Binde gekippt. Für Musik und Tanz sollen wir ins « Oh la la » gehen, meinte die Dame am Tresen. Irgendwie gab mir dieser Name das Gefühl, dass mir das Ärger mit meiner Frau einhandeln könnte… Doch auch nach dreimaligem Nachfragen blieb sie dabei, dass es sich um ein ganz normales Lokal handle. Sie behielt zum Glück Recht…

Fischen wollten wir natürlich auch. Aber Hurricane Michael machte uns da einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Genau in den drei Tagen, die wir in der Schweinebucht verbrachten, haben die Ausläufer des Sturms die Insel getroffen ( von wegen die Welt ist voll Sonnenschein ). Drei Meter hohe Wellen und das Meer war trüber als die Augen meines 20-jäh-rigen Katers. An ein Fischen mit der Fliege war nicht zu denken. Auch mit der Spinnrute war es aussichts-los, probiert haben wir es natürlich trotzdem. Den Schweiss auf die Stirn trieben uns dann nicht die harten Drills mit grossen Fischen, sondern die tiefe Stimme die plötzlich hinter uns rief: « Buenas tardes!! ». Als ich in die vier Kalaschnikows starrte, konnte ich eine spontane Darmentleerung gerade noch verhindern. Schneller als sein Maschinengewehr beschoss uns der Comandante mit einer Salve Spanisch. « Playa Hiron, Casa Yvette » kam irgendwie aus meinem Mund. Diese Antwort schien ihn zu befriedigen und die Truppe stieg in den Jeep und war so schnell wieder weg wie sie da war. Ein paar Nachläufer und zwei Sanddiver waren der ganze Lohn für all unsere Mühen…

« Aeropuerto? No hay problema, diez CUC ». Am letzten Tag fuhren wir in einem Lada zum Flughafen nach dem man sich sogar im russischen Hinterland umdrehen würde. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie sie diese Autos in diesem Zustand und Alter am Laufen halten… Nun ja, es war wirklich kein Problem und der Preis stimmte auch… Nur eine Kleinigkeit hat uns der Fahrer verschwiegen; es gibt zwei Flughäfen in Havanna. Die Chance war ja immerhin 50:50! Wir hatten genügend Zeit und reagierten wie zwei erwachse-ne Männer: wir organisierten Bier und ein Taxi zum anderen Flughafen. Wenn man den Drachen mal geritten ist, haut einen nichts mehr so schnell von den Socken. Und Hey, ein bisschen Spass muss sein…