Von wegen Frischfleisch

Aus der PETRI NEWS 172-2012
 

Heidi Hebeisen 
 

Von wegen Frischfleisch

«Darum sage ich Euch - fangt Eure Fische selber!»

Ich möchte Euch ganz dringend raten, Eure Fische die Ihr essen wollt, ob hier oder im Ausland, immer selber zu fangen. Ich sage Euch gleich warum.

Es ist sehr bequem, im Supermarkt gefrorene Scampis, Garnelen oder eben Fisch zu kaufen. Auf der Packung steht bestimmt, das Produkt sei gleich auf dem Fangschiff verarbeitet und tief gefroren worden. Das verkündet jedenfalls der Frionorkapitän in der Fernsehwerbung für Fischstäbchen. In den meisten Fällen stimmt gar nichts davon. Man muss zum Beispiel einfach wissen, unter welch üblen hygienischen Zuständen Scampis und Garnelen in Bangladesch oder Südamerika gross gezogen werden. Wenn Ihr das im Film von 3Sat angeschaut habt, esst Ihr ganz bestimmt keine mehr. Die schrecken nicht einmal davor zurück, Garnelen vor der Lieferung an den Grosshändler mit sehr unbekömmlichen Mitteln aufzuspritzen, damit sie mehr Gewicht auf die Waage bringen.

Frischer Fisch - das steht überall, wo diese Ware verkauft wird. Aber es steht nirgendwo, wie lange das Produkt vor dem Auftauen tief gefroren vor sich hin gedämmert hat. Den Vogel in dieser Beziehung schoss ein Kühlhaus in England ab: da waren es 15 Monate. Gut; der Besitzer konnte seinen Betrieb gleich schliessen und bekam einige Jahre bedingt – leider nur. Die meisten Menschen haben keine Ahnung von diesen Fisch-Machenschaften, aber sie sind nun einmal Tatsache.

Darum sage ich Euch, fangt Eure Fische selber, dann könnt Ihr auch sicher sein, dass Ihr frische Ware auf dem Teller habt. Das Gleiche gilt übrigens auch für Wild. Rehpfeffer oder Hirschrücken zu kaufen, kann bedeuten, dass die Ware schon mindestens ein bis zwei Jahre in Ungarn tief gefroren wurde.

Natürlich, nicht jeder Fischer ist auch noch Jäger; da habe ich jetzt eben Glück, weil in Inver in diesem Winter gleich zwei Jäger auf die Pirsch gehen. Lieber essen wir den Connemara-Hirsch, als der unsere Pflanzen. Aber Sie, seien Sie vorsichtig wo Sie Fisch und Wild besorgen. Das Letztere lieber bei der lokalen Jagdgesellschaft, das Erstere aus Eigenfang.

Heidi Hebeisen