Wenn einer eine Reise tut, dann... Teil 5

Australien

von Viktor Keller

Lake Tinaroo, ein Stausee nahe Cairns in Far North Queensland, ist bekannt für seine grossen Barramundi. Wer einen Fisch von über einem Meter Länge fangen will, hat hier beste Chancen. Mark Hope, der Apotheker des am See gelegenen Örtchens Yungaburra, hält den auch nicht weniger als 16 Weltrekorde für Barramundi. Lake Tinaroo ist 3500 Hektaren gross mit zahlreichen Armen und unzähligen Buchten. Im Osten wird das Ufer gesäumt von Regenwald, im Westen stösst Farmland bis an den See vor. Neben Barramundi kommen viele andere Fischarten vor, darunter Sooty Grunter, Welse und Schützenfische. Mit dem Red Claw ausserdem eine einheimische Krebsart, die hervorragend schmeckt und mit bis 600 Gramm Gewicht auch richtig etwas hergibt. Einfache, mit Kartoffeln oder Hundeguetzli bestückte Klapp-Reusen reichen aus, um sich diese Delikatesse zu fangen. Krebsschwänze halbieren, putzen und auf den Grill damit, delicious!



Viele Einheimische schleppen mit der Rute und grossen Wobblern auf Barramundi. Wir lieben es, mit 1.7  bis 1.9m kurzen Multirollenruten gezielt Strukturen anzuwerfen; mit Vorliebe im Wasser stehende Bäume und Seerosenfelder. Hat man einen Fisch gehakt, muss man reflexartig reagieren, sonst sucht der Barra blitzschnell Zuflucht in der Deckung. Mit 10 bis 15kg Geflochtener als Hauptschnur und einem monofilen Vorfach von mindestens 60lb - idealerweise verzwirnt - ist man gut gerüstet. Barramundi haben ähnlich unseren Welsen ein abrasives Maul und zusätzlich messerscharfe Kiemendeckel; hin und wieder passiert es deshalb, dass Vorfach oder Schnur glatt durchtrennt werden. Beim Hantieren mit den Fischen muss man ausserdem vor den spitzen Stacheln der Rückenflosse und kleineren, aber genauso spitzen Stacheln vor der Afterflosse auf der Hut sein. Viele unserer Top Hechtköder aus der Schweiz funktionieren übrigens super auf Barramundi.



Atherton Tableland, die Hochebene, auf der Lake Tinaroo liegt, hat aber viel mehr zu bieten als nur den See. Der Regenwald ist hier, auf 650müM, ausserordentlich üppig und reich an besonderen Tier- und Pflanzenarten. Sogar wenn wir mit dem Boot unterwegs sind, sehen wir im Uferwald hin und wieder Baumkängurus, die tatsächlich bis in die höchsten Baumkronen klettern und sich hervorragend zu verstecken wissen.



Auf den Felsen direkt am Wasser sonnen sich überall Wasseragamen, die einem spaßeshalber hingeworfenen Popper bis ans Boot folgen. Für eine schnelle Flucht stellen sich diese Komiker unter den Echsen auf die Hinterbeine und können so sogar kurze Strecken über das Wasser laufen. Auf unseren Wanderungen machen wir noch mit einem anderen, weniger amüsanten Bewohner tropischer Gefilde Bekanntschaft, dem Blutegel. Die Plagegeister leben in Massen auf dem feuchten Regenwaldboden und es ist ein Ding der Unmöglichkeit, den lästigen Parasiten zu entkommen. Der Biss ist völlig schmerzlos und Krankheiten übertragen die Egel auch keine, die kleinen Wunden bluten aber sehr lange
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In der Abenddämmerung sind wir oft an Bächen unterwegs, um den Schnabeltieren bei ihrem munteren Treiben zuzusehen. Und auch Helmkasuaren, straussenähnlichen Laufvögeln mit einem Gewicht bis 60kg, begegnen wir immer mal wieder. Einmal sogar einem Paar mit 2 Jungtieren.

Nachts bieten Buschfeuer einen unheimlichen Anblick. Sie werden alle paar Jahre entfacht, um die Masse an brennbarem Material gering zu halten und so grössere, verheerende Feuer zu verhindern. Diese kontrollierten Feuer brennen nicht so intensiv und entwickeln eine viel geringere Hitze. Eukalyptusbäume und die meisten anderen Gehölze überleben und treiben fast genauso schnell und vital wieder aus wie die Gräser und Kräuter. Schon Tage nach dem Feuer zeigt sich erstes saftiges Grün, dass in starkem Kontrast steht zur geschwärzten Landschaft rundum.