Griechische Impressionen
Aus der PETRI NEWS 187-2014

Heidi Hebeisen 

Griechische Impressionen

«Die sitzen lieber zusammen bei Ouzo.»

Immer, wenn HRH in den Yukon fliegt, benutzen meine Tochter und ich diese Gelegenheit für eine Reise, die jedoch immer südlich gelegen sein muss. Dieses Mal haben wir uns für die griechische Insel Kos entschieden, da uns bis anhin dieser Teil der Welt noch unbekannt war. Bei Ankunft 35 Grad Celsius, keine Wolke am Himmel, ein traumhaftes Hotel mit weissem Sandstrand, genau so, wie man sich das vorgestellt hat.

Beim Buffet am ersten Abend stellten wir verwundert fest, dass das gesamte Personal und alle Köche italienisch sprachen, also keine Griechen im Business.

Natürlich buchten wir gleich für den nächsten Tag eine Inselrundreise mit Hintergrund alte Tempel, was mich ja immer in jedem Land sehr interessiert. Wir fuhren durch zahllose, brachliegende Felder, die fruchtbare Erde wird von den Bauern nicht mehr bestellt. Wo doch die Leute, jetzt wo es ihnen schlecht geht laut EU, besonders auf Lebensmittel angewiesen wären.

Dann endlich eine alte Tempelanlage. Wo noch Sokrates gelehrt hatte. Einer dieser Tempel war noch erstaunlich gut erhalten, die korinthischen Säulen noch intakt. Ja, dieser Tempel habe ein reicher Deutscher gekauft, wir brauchen ja Geld, sagte die Reiseführerin. Ich war echt entsetzt, dass die Griechen im Stande sind, ihr uraltes Erbe einfach zu verscherbeln, andererseits nicht einmal mehr die Felder bestellen.

Natürlich hat mich auch die Fischerei interessiert, es lagen ja überall weiss/blau bemalte Boote am Strand. Ich fragte einen alten Mann, der auf der Hafenmauer sass, wann er denn mal raus fahre und was hier so alles gefangen würde. Mit Händen und Füssen bekam ich die kurze Erklärung; wenn schon raus, dann der italienische Kollege und wenn fangen, dann Tintenfisch. Also auch hier keine Griechen am Werk. Die sitzen lieber zusammen bei Ouzo und warten auf bessere Zeiten, die müssen ja irgendwann wieder kommen.

Aber bis diese Zeit kommt (wenn sie denn je überhaupt wieder kommt) haben diese Leute einen Grossteil Ihres alten, so berühmten Erbes und auch viel von ihrem kostbaren Land an die Ausländer verloren, Und die werden dann die Felder bestellen, die Tomatenfabrik wieder in Betrieb nehmen, die berühmten, süssen roten Früchte wieder verarbeiten und gut davon leben.