Zusammenschluss
Aus der PETRI NEWS 178-2013

H.R. Hebeisen 

Zusammenschluss

«24 Jahre lang wurden brav die Beiträge einbezahlt.»

Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer geschieht Historisches: Die Angler aus Ost und West der Republik streben eine Vereinigung an. So schrieb der Spiegel unter dem Titel „Annäherung an der Rute“ (Spiegel 10/2013, Seite 48). Aus dem umfänglichen Spiegel-Text geht hervor, dass sich nun – eben nach bald einem Vierteljahrhundert - der VDSF, der Verband Deutscher Sportfischer (West), mit dem DAV, dem Deutschen Angler Verband (Ost) zusammenschliessen. Mittlerweile ist der Zusammenschluss erfolgt.
 

Doch die Vorgeschichte ist Seldwyla pur, schöner hätte sich nämlich Gottfried Keller den kleinkarierten Umgang mit der Macht nicht ausdenken können. Auch nicht, dass der erste Anlauf zur Fusion ein Jahr zuvor gescheitert war, unter anderem daran, dass gegen Vorstände der Ost-Angler Stasi-Vorbehalte in Umlauf kamen.

Sei´s drum: Die 800'000 organisierten Sportfischer in der Bundesrepublik haben also nach der Wiedervereinigung 24 Jahre lang brav ihre Beiträge einbezahlt mit dem Resultat, dass die beiden Verbände in all diesen Jahren einen Extrazug gefahren sind. Dabei geht es nicht nur um Interpretationen unseres fischereilichen Tuns, sondern vor allem auch um persönliche Ressentiments.

 

Und alle wundern sich, dass die Anglerfreunde nördlich unserer Alpen genauso wenig eine ihnen gebührende Stimme haben wie wir in der Schweiz. Dabei könnten wir alle doch gemeinsam so viel erreichen – vor allem auch wenn es um den Gewässerschutz geht – also im weitesten Sinne um den Fisch- und Tierschutz.

 

Betrachte ich doch uns Fischer, genauso wie die Jäger, als Heger und nicht als Räuber. Argumente für diese Interpretation gibt es genug. Auch solche, die ein normal denkender Mensch versteht, sogar dann wenn er weder fischt noch angelt. Der Anfang wäre gemacht, wenn es aufhört, dass sich die Akteure selbst nicht grün sind. Insofern ist die grossdeutsche Fusion auch ein Hoffnungsschimmer. 


H.R. Hebeisen