Gelassenheit
Aus der PETRI NEWS 181-2014

 H.R. Hebeisen

Gelassenheit

«TV und Handy im Container entsorgen, wäre die beste aller Taten.»

Wir schreiben anno 2014. Wie war denn das Jahr 2013? Auf einfachen Nenner gebracht: schlecht, mittel oder gut. Egal; eine Verbesserung ist anzustreben, selbst dann, wenn das vergangene Jahr gut war. Sonst sowieso.

Schauen wir also vorwärts und nicht rückwärts, denn nicht umsonst hat die Schöpfung uns Menschen die Augen vorne im Kopf eingepflanzt. Wäre Zurückschauen wesentlich, hätten wir die Augen hinten. Und würden dabei ständig unseren eigenen, na ja, nennen wir ihn Hintern sehen.

Gelassenheit. Ein schönes Wort und auch ein nützliches. Die guten Dinge mit mehr Gelassenheit statt einfältiger Überheblichkeit betrachten, die schlechten mit mehr Gelassenheit ertragen. Sich auch mehr Zeit nehmen für ein und alles, vor allem für das Wesentliche. TV und Handy im Container entsorgen, wäre die beste aller Taten. Schafft unendlich Freiraum. Ich rede diesbezüglich aus der Praxis, besitze weder das eine noch das andere.

Gelassenheit ist auch beim Einteilen der Ferientage gefragt. Man kann sie nicht in die Länge ziehen, indem man in einer Woche fünf sogenannte Events besucht. Und am Schluss von allem nix bleibt. Sich auf etwas konzentrieren – sich genügend Zeit nehmen. Es gibt ja schliesslich auch noch das Jahr 2015 – dann kann man ja das Programm wieder neu festsetzen. Eben – mit Gelassenheit.

Weg vom Thema Fischen eine Frage: Wie lange bleibt heute weltweit im Durchschnitt eine Aktie im Besitz des Käufers? Richtige Antwort: 22! Jahre? Nein. Monate oder gar nur Wochen? Nein, dann sind es halt nur Tage, Stunden oder Minuten: Immer noch nein. SEKUNDEN heisst die richtige Antwort. Und da wundert sich einer noch, dass bald die halbe Welt (oder mehr?) verrückt geworden ist. Und, dass sich in unserer heutigen Gesellschaft rund ein Drittel Tag für Tag mit irgendwas dopt, allein nur, um am Arbeitsplatz bestehen zu können.

Und im gleichen Takt geht es im Privatleben weiter. Auch am Fischwasser. Schon vor Jahrzehnten traf ich in Argentinien Amerikaner, welche 7 Tage den fischreichen Süden buchten. Die Tag und Nacht unterwegs waren; während der Transporte schliefen. „We make Patagonia in 7 Days“. Inklusive Hin- und Rückreise nach Chicago oder Frisco. Schlaf auf dem Rückflug ist garantiert.

Und da wundert sich so mancher, dass er mit 50 dermassen alt aussieht, wie er nie werden wird. Und was ist geblieben von den Seven days in Patagonia? Wenn ich mit Freunden dahin fliege, planen wir gut zwei Wochen, genauso wie es diese Zeit für einen Tripp in den Yukon braucht. Und die Fliegenfischerkurse, die Heidi und ich zusammen mit Instruktoren in Garmisch planen, dauern 5 – 7 Tage. Das lässt Zeit, um auch in die Tiefe der Materie einzudringen. Und zwar eben nicht nur in Bezug auf Wurftechnik. Sondern auch auf die Taktik, sprich die Praxis am Wasser, für die Insektenkunde, das Fliegenbinden und nicht zuletzt auch noch auf die Ethik des Fliegenfischens. Und auch noch, um nach Feierabend bei Tisch das gute Gespräch, das gute Essen und Trinken gebührend zu geniessen.

Stichwort: Gelassenheit.

H.R. Hebeisen