Die Fliegenfischerschule im Wandel der Zeit
Aus der PETRI NEWS 188-2014

 H.R. Hebeisen

Die Fliegenfischerschule im Wandel der Zeit

«Die anderen rennen mit ihren Wathose wie das Bisiwetter davon...»

Knapp die Hälfte der Leser mag sich an die Zeiten vor 1967 erinnern. Es ist das Gründungsjahr der Hebeisen Fliegenfischer Schule. Von den grossen Kämpen des Swiss Casting Club während drei Jahren ausgebildet führte ich meinen ersten Fliegenfischerkurs in Zürich durch. Aus diesem Grunde musste ich im Castingsport vom Amateur- in den Profi-Status wechseln, mich künftig mit Grössen wie John Tarantino, Jim Hardy, Pierre Creusevaut, Ronald Fenger und anderen messen, was mir ja dann auch leidlich gut gelang.

Über die Auffahrtstage gab jeweils der Schweizerische Fischereiverband im Toggenburg einen Fliegenfischerkurs. Auch ich wollte da als Instruktor dabei sein und wollte auch gleich acht Schüler mitbringen. Aber o weh, o weh. „Kommerz, Kommerz“, hiess es, als wäre das Erteilen eines Fliegenfischerkurses von einem Casting Profi gegen Entgelt etwas Unredliches. In Sachen handeln schon immer schnell, stellte ich also subito einen Fliegenfischerkurs über diese Auffahrtstage im Hotel Säntis in Unterwasser auf die Beine; dreissig Teilnehmer mit fünf Instruktoren. Der SCV gastierte mit einer gleichen Gruppe im Nachbar Hotel Sternen. Geht auch so; die Fliegenfischerschule ist international geworden, die Hälfte der Teilnehmer kam aus dem Ausland.

Im Jahre 1977 dann zum Jubiläum die nächste Stufe; Internationale Fliegenfischerwochen in St. Moritz, in Juni und September, immer mit jeweils rund vierzig Schülern plus eine grosse Zahl Begleitpersonen, man reiste noch mit der Dame und diese fühlte sich wohl im Umfeld. Instruktoren wie Hans Gebetsroither, Walter Brunner, Sepp Prager, Heidi Lienhard, Heinz Ryffel etc. halfen jeweils, die Schüler in kleinen Gruppen auszubilden. Und das Wochenprogramm gestattete uns, einen künftigen Fliegenfischer perfekt auszubilden. Es gibt ja nicht nur die Grundwurftechnik; was ist denn mit all den Spezialwürfen – auch am Wasser praktisch umgesetzt? Und was ist denn mit dem „Lesen des Wassers“, mit dem Erkennen und praktischen Umsetzen der Insektenwelt, Stichwort „Was frisst der Fisch“? Was ist mir der Gewässerhege, dem Fliegenbinden, ja und letztendlich auch mit der praktischen Fliegenfischerei mit der Trockenfliege, der Nymphe und dem Streamer? Man kann das gewisse Manko auch nicht mit mehr Stundeneinsatz pro Schultag kompensieren. Nach bald fünfzig Jahren weiss ich, dass ein Schüler pro Tag nur eine beschränkte Aufnahmefähigkeit hat. An den Intensivkursen müssen wir aber Gas geben. Nur, wenn ich am letzten Tag nach der Introduktion so gegen Elf frage, wer denn bis Mittags noch intensiven, individuellen Wurfkurs möchte, bleiben von den Zwanzig vielleicht drei, die anderen rennen mit ihren Wathosen wie das „Bisiwetter“ davon – zum „Freien Fliegenfischen“.

Früher einmal (pardon, aber es musste sein) hatte man drei Wochen Ferien und davon „opferte“ man eine, um in eine wunderbare Passion eingeweiht zu werden. Heute hat man bei uns vier, andernlands bis sechs Wochen Ferien, aber in Sachen Ausbildung zum Fliegenfischen hat man noch maximal vier Tage Zeit, lieber nur ein Weekend. So „verbraucht“ man keinen Ferientag und Karibik, Skiurlaub, Fitnesstage, Rundreise „USA in 6 Tagen“, ein Lehrgang zum Tauchen und Familienferien liegen auch noch drin. Motto: Vo allem e chli öppis. Erholung in den Ferien? Hat da jemand Burnout gesagt?

H.R. Hebeisen