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Aus der PETRI NEWS 236-2021

  Von Thomas Bucher

 

HELP! I need somebody, HELP!...

HILFE, holt mich hier raus, dachte ich nur. Das Lied der Beatles wurde in der Aula am Begrüssungsmorgen der Berufsschule gespielt. Alte Menschen die mir sagen wollten, sie würden mich verstehen und ich könne jederzeit zu ihnen kommen, wenn ich Hilfe brauche. Dass ich nicht lache, diese Schlipsträger haben doch keine Ahnung was ich alles durchmachen muss. Da sind einerseits meine Eltern, die noch immer denken, Sie können mir mit 17 Jahren noch sagen was ich tun und lassen soll. Hey, ich verdiene jetzt mein eigenes Geld! OK, der Lehrlingslohn würde mich ohne Matte und Futtertrog zu Hause nicht weit bringen, aber trotzdem... Dann ist da noch meine Schwester, sie ist bereits 20, raucht nicht, trinkt fast keinen Alkohol und hat während ihrer Lehre dauernd gelernt. Macht es mir auch nicht gerade leichter, vielen Dank. Ausserdem habe ich das Gesicht voller Pickel und die neuen Nike Air habe ich auch nicht an den Füssen. Der Supergau!

HILFE, ich glaube die will länger bleiben!! Als meine erste feste Freundin eines Tages mit einer Tasche bei mir auftauchte, wurde mir doch etwas mulmig. Die Tasche war zwar klein, aber es waren eine Zahnbürste, Unterwäsche und Schminkzeugs drin. Das deutete alles auf eine ernste Sache hin. Na, das wird schon klappen, ich bin ja ein Frauenversteher. Denkste, gar nichts verstehe ich. Mandarin lernen ist ein Klapps dagegen! War dann aber auch nicht weiter schlimm als sie ihre Tasche wieder packte. Das war eine tolle Zeit, ich war unverwundbar. Hatte einen Körper aus Stahl und Kritik glitt an mir ab wie Wasser von Teflon!

Ich muss gestehen, dass auch mir, wie der Person im Lied „Help“, die Unbekümmertheit etwas abhandengekommen ist. So finde ich es heute keine grandiose Idee mehr, wenn meine Tochter vor dem Essen noch einen McFlurry holen will. Im Moment wäre sowieso heute, das von gestern besser – und umgekehrt. Da habe ich mittlerweile eine verdammt kurze Zündschnur! Wenn mein Sohn dann noch nach Bildschirmzeit für das iPad fragt, raucht mir mächtig der der Kopf. Was denken die sich eigentlich? Vollpension im Hotel Mama/Papa und Entertainment 24/7 ohne einen Finger zu krümmen? Dabei erkläre ich Ihnen ständig, wofür die Schule gut ist. Und dass ich sie verstehe und sie jederzeit zu mir kommen können wenn Sie Hilfe brauchen… OMG, ich klinge ja schon wie meine Eltern und die Lehrer damals, HIIILFEEEEE!!!


  

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