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Aus der PETRI NEWS 220-2019

Von Thomas Bucher

Oh läck du mir am Tschöpli...

…oh rutsch du mir dä Buggel ab, oh blas du mir id Schueh…‘‘ Da Schwerzenbach keine Oberstufe hat, durfte ich während meiner hauptpubertären Phase in Dübendorf in die Schule gehen. Deshalb fühlen wir uns trotz einer gesunden Rivalität, zum Beispiel auf dem Fussballplatz, sehr mit den Dübendorfern verbunden und sind deshalb auch ein wenig stolz auf das Trio Eugster. Dieses Lied gefällt mir speziell, da es keine Aussage hat und so einfach aufgebaut ist.

Alles andere als einfach ist manchmal das Fischen:

An der Areuse kommt erschwerend hinzu, dass ein absolutes Watverbot herrscht. Besonders für die Fliegenfischer ein harter Schlag. Die Uferpartie ist meist mit hohem Gras überwuchert, hinten hat es ein Bord und viele Bäume. Oh läck du mir am Tschöpli, wie soll ich da eine Fliege präsentieren? Manuel meint ganz lapidar: Die Spitze der Rute aus dem Gras, so wenig wie möglich Leerschnur im Gras, Rute hinten hoch und zwischen den Bäumen hat es ein Fenster von ca. 2 Meter Breite. Das klingt nach einem Plan und ich bin ja nicht gerade ein Wurflegastheniker. Also los, ich nehme nur wenig Schnur von der Rolle, hebe die Rute an, bleibe hinten hoch, alles läuft super, jetzt vorwärts… Schei…benkleister!! Die Fliege hängt natürlich im Baum. Frisch montieren und auf ein Neues. Immer wieder scheitere ich an einem der genannten Hindernisse und nach kurzer Zeit steigt im Umkreis von 30 Meter natürlich kein Fisch mehr. Als ich zusammenpacke kommt ein Einheimischer Fischer und grüsst mich freundlich: Salut, ça va? Ich hätte gerne was nicht Jugendfreies gesagt, aber er kann ja nun wirklich auch nichts für meine Misere. Einen Wurf macht er mit seinem Spinner auf die andere Seite und nach 3 Kurbelumdrehungen hängt die erste Forelle. Geknickt mache ich mich vom Acker.
 
 

Die folgende Mission kann eigentlich nur einen Decknamen haben: Mission aussichtslos! Fliegenfischen auf Seeforellen im Greifensee. Keine Ahnung wie ich mich dazu überreden lassen konnte. Der Winter hatte gerade mit voller Wucht zugeschlagen. Es war -12 Grad als wir am Steg eintrafen und dank dem Neuschnee konnten wir erst mal das Boot ausbuddeln. Handschuhe sind beim Fliegenfischen suboptimal und auch die beste Kleidung lässt bei einer Bise auf dem See irgendwann die Kälte durch. So stritten wir uns jeweils, wer rudern durfte, um wenigstens ein bisschen Wärme zu generieren. Als Yannick nach 4 Stunden ohne eine Spur von Fisch meinte, wir sollten es vielleicht doch noch auf der anderen Seeseite probieren, war meine jämmerliche Antwort: Rutsch mir doch dä Buggel ab, ich bin reif für einen Kaffee Lutz!
 
 

Die Vorfreude ist riesig und berechtigt. Denn die hohe Zeit der Maifliege ist gekommen. Jeden Abend fliegen abertausende Maifliegen nach Ihrem Hochzeitstanz auf den See zur Eiablage. Ich kann mit auf den Kanadier (ein kleines wackliges Kanu, optimal zum Fliegenwerfen…). Ich habe das total unterschätzt. Bereits nach einer viertel Stunde sind mir wegen der unbequemen Sitzposition die Füsse eingeschlafen. Auch der starke Wind macht die Sache nicht gerade angenehmer. Da man wegen dem Wellengang die steigenden Fische nicht sieht, muss man sie hören. Das heisst keine Kapuze oder Kappe kann meine bereits roten Ohren schützen. Ganz nach Murphy’s Law steigen natürlich alle Fische gegen den Wind. Die Schnur fällt ein ums andere Mal in sich zusammen und ich komme nicht annähernd in Reichweite der Fische. Nach drei Stunden habe ich genug, der Wind kann mir Wortwörtlich ‘‘id Schueh blase‘‘!!
 
 

Fischen ist manchmal wunderbar nicht einfach, manchmal wunderbar nicht erholsam. Jeder Fischer weiss wovon ich spreche. Mein Lieblingsbuch zu diesem Thema ist: Die süsse Qual des Fliegenfischens (natürlich erhältlich bei Hebeisen). Ein Buch randvoll mit humorvollen Geschichten über die Widrigkeiten der Umstände, des Wetters und des eigenen Versagens. Ein Buch das nicht nur Fliegenfischer zum Schmunzeln bringt. Man darf auch mal fluchen und zweifeln, aber genau diese Momente lehren uns durchzuhalten und Selbstüberschätzung zu vermeiden. Und spätestens zu Hause in der Badewanne ist alles nur noch halb so schlimm.

 

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