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Editorial
Aus der PETRI NEWS 218-2019

 H.R. Hebeisen
 

Insekten

Dass die Anzahl der Insektenarten weltweit in den letzten Jahren massiv zurückgegangen ist, kann, ja konnte man nicht nur in entsprechenden Fachblättern seit langem lesen. So man denn des Lesens nicht nur kundig, sondern auch willig war.

Wenn ich nun in meinem Fischerblättchen auch darüber schreibe, so bin ich logisch als Fischer, und im Besonderen als Fliegenfischer verdächtigt, dass es mir nur ums Fische fangen geht. Nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Richtig ist allein, dass ich logisch traurig bin, wenn ich an einem schönen März-Mittag im Flüsschen die Geisel schwinge, in der Hoffnung, dass ein paar Segelschiffchen (Baetiden) an der Oberfläche schwimmen und die Forellen zum Steigen einladen. Was habe ich doch früher mit der Gallica Nr. 7 von Mme. de Chamberet über Mittag an der Töss jeweils für schöne Forellen gefangen. Und logisch bin ich auch enttäuscht, wenn sie Ende Mai nicht mal auf meine alte Schlittersedge vom Hansi aus Gmunden reagieren, und ich wieder „in den Keller“ muss, um für die Heidi und mich ein feines Abendessen zu besorgen. Aber das ist es nicht allein und schon gar nicht vordergründig. Viel wichtiger ist mir schlicht und einfach unser Überleben, ja, das nackte Überleben und das sage ich ohne zu dramatisieren. Was nutzt es mir, und bitte vor allem meinen drei Kindern und zu allererst meinen sechs Enkeln, wenn das mit der Klimaerwärmung nur mehr oder weniger stimmt. Schliesslich kann man ja auch mit Bananen die im Garten im Tösstal wachsen überleben. Aber nicht, wenn die ganze Botanik nicht mehr bestäubt wird. Dann gibt es nicht einmal mehr Äpfel.

Apropos Äpfel. Nicht nur immer auf die Lebensmittel Produzenten, also die Bauern schimpfen, sondern auch auf die Konsumenten. Hat irgendwas, und sei es nur ein gemeiner Apfel oder eine Pflaume nur ein paar Flecklein drauf, wird es nicht mehr gekauft. Aber Spritzen, nein, nein, dagegen wehren wir uns. Und umso mehr wird gespritzt. Auch das Fett vom Fleisch muss weg, dabei ist es DER Geschmacksträger und ohne halt eben geschmacklos. Dafür Berge davon vertilgen, bloss weil es beim Grossverteiler bald praktisch zum Nulltarif angeboten wird. Und nicht nur das, sondern vor allem in pfannenfertiger Version, also Convenience. Gulasch, Voressen, einfach bald alles, nur noch aufwärmen; ist ja auch „gekocht“, und dafür trägt dann bald die halbe Welt der massiven Anteile an Salz und vor allem Zucker wegen um das zu verdecken, Ärsche in Grössen von Vierzimmerwohnungen herum. Amerika lässt grüssen.

Aber eben, auch das ist nicht das Hauptproblem, das kann und muss man halt einfach visuell ertragen. Vielmehr geht es allein um unser Überleben, was ohne Insekten schlicht und einfach nicht möglich ist. Das ist das was mir heute mehr Sorgen bereitet, als die Klimaerwärmung. Entsprechend hart müssen wir dagegen ankämpfen. Es geht nicht gegen die Bauern, es geht um unser Überleben! Und ich denke, die Bauern möchten das doch auch.

H.R. Hebeisen